Vom Notfall bis zum Krankenhaus
Vom Notfall bis zum Krankenhaus

Vom Notfall bis zum Krankenhaus

Wie ist der Ablauf des Lebensrettens?

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich für die Sani-AG einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, voll mit anderen Erwachsenen, die den zum Beispiel für ihren Job brauchten. Diesen Sommer habe ich dann mein Praktikum im Evangelischen Krankenhaus in der Neurologie absolviert, wo ich plötzlich mit lebensgefährlichen Situationen konfrontiert wurde, so unfassbar viel Neues gelernt habe und auch von dem vorherigen Wissen profitieren konnte.

Jeden Tag hört man Sirenen draußen, sodass man sie schon ausblendet. Doch hinter jeder dieser Sirenen steckt eine panische Person, die sie gerade angerufen hat, und eine andere Person, die gerade einen medizinischen Notfall erleidet. Und das passiert häufiger, als man denkt, deshalb ist es unfassbar wichtig, für so einen Notfall gewappnet zu sein.

Doch was passiert, wenn man die 112 ruft?
Wenn man den Rettungsdienst anruft, komplett panisch und ängstlich, muss man erst mal die ganzen W-Fragen beantworten. Die Stimme am anderen Ende des Telefons mag harsch klingen, muss es jedoch sein, um so schnell wie möglich an Informationen zu gelangen. Dann muss die Haustür geöffnet werden und für die Sanitäter die Gesundheitskarte und Tabletten, auf die man angewiesen ist, hervorgesucht werden. Dabei natürlich nicht den Betroffenen aus den Augen verlieren!
Vielleicht kann man ihnen bereits entgegenkommen und sie genau zu der hilfesuchenden Person hinführen.
Wenn es jedoch um das Leben der Person geht, kann man bereits, während man auf die Sanitäter wartet, schauen, ob die Person ansprechbar ist, noch einen Puls hat oder noch atmet – denn das ist das Wichtigste. Ist dies nicht vorhanden, muss man mit der Herzdruckmassage beginnen. Das heißt: Finger ineinander kreuzen und auf die Mitte der Brust der Person legen und mit aller Kraft und im Takt von „Staying Alive“ auf die Brust drücken. Dies darf man nicht unterbrechen, bis der Krankenwagen kommt.
Vielleicht kennst du bereits auch die Mund-zu-Mund-Beatmung, doch die Herzdruckmassage hat eine höhere Priorität, denn es befindet sich meistens noch genügend Restsauerstoff im Körper der bewusstlosen Person. Ein Rettungsdienst kommt meistens innerhalb von 5–10 min, sodass man schnell abgelöst wird.

Was macht der Rettungsdienst genau?
Sobald sie eintreffen, checken die Sanitäter erst mal die Vitalzeichen, das bedeutet: Puls, Blutdruck, Blutzucker, Herzrhythmus und Atemfrequenz. Dann stufen sie den Zustand in A, B, C, D oder E ein. A bedeutet Atemweg und ob etwas an der Atmung hindert, B Atmung, also wie der Patient atmet, C Kreislauf, womit gecheckt wird, wie hoch der Puls und was die Farbe der Haut ist, D ist der neurologische Zustand, also das Bewusstsein und die Reaktion der Pupillen (Es wird mit einer kleinen Taschenlampe festgestellt, ob die Pupillen dem Licht folgen können), und E bedeutet Umgebung und weitere Verletzungen, zum Beispiel, ob es gerade sehr kalt ist oder ob noch ungesehene Verletzungen entstanden sind. Zu Bedarf werden manchmal auch Notfallärzte gerufen, die dann noch mehr ins Detail gehen. Wenn es beispielsweise ein Herzinfarkt war, wird die Person sofort ins Krankenhaus geliefert und es wird nicht noch zu Hause behandelt.

Was dann?
Dann wird der Patient, falls es nötig ist, und nach Absprache, in die nächstliegende und freie Notaufnahme gefahren. In die Notaufnahme des Evangelischen Krankenhauses darf man beispielsweise als Begleitperson nicht mitgehen, zu der des Klinikums jedoch schon.
Dann wird die Person ins Krankenhaus gebracht und unterschiedlich behandelt.
Zum Beispiel bei akut lebensbedrohlichen Notfällen wird der Patient in den Schockraum gebracht. Im Klinikum gibt es zwei, im Evangelischen drei und im Pius einen Schockraum. Das sind Räume, die als Außenstehender ziemlich beängstigend aussehen: voll mit Kabeln und Monitoren und ganz viel Überwachung. Man sieht fünf Schränke an der Wand, beklebt mit A bis E, sodass man nicht lange für unterschiedliche Notfälle suchen muss. Es gibt Sauerstoffflaschen und millisekundengenaue Uhren zum Pulsmessen.

Was sollte man mitnehmen?
In akuten Notfällen ist natürlich nicht viel Zeit, etwas mitzunehmen, doch man sollte schnell nach dem Handy, dem Portemonnaie, Hausschuhen und vielleicht einem Pullover der Person greifen. Vor allem die Schuhe und Klamotten werden im Verlauf sehr wichtig, denn das Krankenhaus stellt meistens keine Klamotten oder Schuhe zum Leihen, was ziemlich unpraktisch beim Entlassen sein kann. Wenn man zu Hause bleibt, bleibt die Notaufnahme mit einem in Kontakt und ruft nach den vorliegenden Befunden an.

Als Familie oder Freunde ist man natürlich jetzt, wo man alleine ist, am zerbrechlichsten und nervösesten. Doch gerade wird die Person am besten beobachtet und für die Gesundheit gesorgt, was man ohne die richtigen Medikamente, Geräte und Sachkenntnis nicht selbst machen kann. Es gibt unterschiedliche Verläufe eines Krankenhausaufenthalts. Manchmal wird man schon in wenigen Stunden entlassen, manchmal wird man stationär aufgenommen.

Ein Aufenthalt auf einer Station kann wenige Tage bis Wochen dauern. Man durchgeht unterschiedliche Diagnostiken, wie bei der Neurologie (alles, was mit dem Gehirn und den Nervensystemen zu tun hat) MRTs, CTs oder EEGs, beim MRT und CT wird geröntgt und beim EEG die Aktivität des Gehirns gemessen. Bei der Orthopädie (alles, was mit Knochen und Knochenbrüchen zu tun hat) wird beispielsweise auch geröntgt und bei der Kardiologie wird mithilfe eines EKGs der Herzrhythmus noch einmal gründlicher kontrolliert und durch Echokardiografie wird mit einem Ultraschall das Herz untersucht.

Das hört sich jetzt alles sehr konfus an, jedoch ist man als Begleitperson dauerhaft in Kontakt und auf Station kann man auch wieder die erkrankte Person sehen.
Am Ende, wenn man entlassen wird, bekommt man all die Werte und die Diagnosen in einem Entlassungsbrief.

Natürlich hoffe ich, dass so etwas nicht bei dir und in deiner Anwesenheit passiert, aber dass du nun, falls es zu so einer Situation kommt, dich sicherer und vorbereitet fühlst.

Titelbild: pixabay.com