Problem-WM in Katar
Problem-WM in Katar

Problem-WM in Katar

Titelbild: pixabay.com

Auch 2022 hätte wie jedes vierte Jahr ein WM-Sommer werden können. Public Viewing draußen mit Freunden, dazu wird gegrillt. Doch stattdessen bekommen wir Public Viewing mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, vermutlich mit gebrannten Mandeln. Die WM in Katar, einem Land, in welchem homosexuelle Menschen mit der Todesstrafe bestraft werden könnten, Frauen bei Vergewaltigungen zum Teil selbst bestraft werden, da sie außerehelichen Geschlechtsverkehr betrieben hätten und Menschen nicht in der Lage sind, ihre eigene Meinung frei zu äußern. Eine WM, die auf dem Tod von über 5.000 überwiegend jungen, nicht-katarischen Männern basiert, damit der Rest der Welt die Fußball WM in modernen Stadien „genießen“ kann.

Doch wie kann es sein, dass die WM, das wohl populärste Sportereignis der Welt, ausgerechnet in einem solchen Land ausgetragen wird?

Die Vergabe der WM

Die Vergabe von Katar als Austragungsort ist wohl ein Paradebeispiel für die Korruption im modernen Fußball. Als am 2. Dezember 2010 bekannt wurde, dass Katar Austragungsort der WM 2022 wird, dauerte es nicht lange, bis erste Korruptionsvorwürfe auftauchten. Katar soll mit Geldsummen im Wert von 23.8 Milliarden Euro Stimmen der FIFA-Mitglieder erkauft haben, und das obwohl die FIFA offiziell Unkäuflichkeit als höchste Priorität setzt. Haben sie sich also ihren eigenen Regeln widersetzt?

Erste Aufmerksamkeit erlangte die FIFA durch die Bekanntgabe, dass die Austragungsorte der WM 2018 und 2022 gleichzeitig bekannt gemacht werden sollten, triftige Erklärungsgründe gab es hierfür jedoch nicht. Der Gedanke, dass beide Länder (Russland 2018 und Katar 2022) hierbei korrupt gehandelt haben um die WM austragen zu dürfen, liegt nicht fern. Im Dezember 2008 setzte sich Katar nun also mit einem Stimmenverhältnis von 14 zu 8 Stimmen gegen die Vereinigten Staaten durch, welche als Favorit galten. Katar wird nun also das erste arabische Land, das eine Fußballweltmeisterschaft austragen darf, und das obwohl die FIFA selbst betonte, dass es wohl kaum ein Land gäbe, das weniger für eine solche Austragung geeignet sei, unter anderem auch wegen der klimatischen Bedingungen. Also verschob man die WM in den Winter.

Fünf Jahre später wurden in einem Züricher Hotel FIFA-Funktionäre festgenommen, mit dem Vorwurf, Korruption und Geldwäsche betrieben zu haben. Und es stimmt. FIFA-Wahlmännern wurde Geld angeboten, damit sie ihre Stimme für Katar abgeben. Etwa 160 Millionen Dollar an ungefähr 30 verschiedene Fußballfunktionäre. Und Katar? Behauptet, alles sei nach den FIFA- Spielregeln gelaufen.

Die Zwangsarbeiter

Hinzu kommt die drastische Verletzung der Menschenrechte für den Bau der zuvor noch nicht vorhandenen Stadien. 6.500 Tote soll es laut Amnesty International bei dem Bau der Stadien gegeben haben. Menschen, die überwiegend aus Ländern wie Nepal, Bangladesh und Indien einreisten, um ihre Familien zu ernähren. Katar versprach Verbesserungen der Menschenrechtssituation im Land. Doch es passierte kaum etwas. Den Arbeitern wurden ihre Pässe entzogen, sodass sie nicht in der Lage waren Katar zu verlassen. Teilweise wurde über acht Monate lang kein Gehalt gezahlt. Während des Lockdowns im Jahre 2020 blieb die Essensversorgung der Gastarbeiter so gut wie aus. Es war ihnen nur gestattet, sich in abgeriegelten Gebieten aufzuhalten, als wolle man sie wie Tiere von der Bevölkerung Katars abtrennen. Sie schliefen zu acht in Räumen von unzumutbarer Größe, die Dusche und die Toilette waren ein Ort. Und dann begann sich die ILO, eine internationale Organisation für die Rechte von Arbeitnehmern, einzumischen, was zunächst für viel Freude sorgte. Die Versprechen Katars bezogen auf die Reform der Arbeiterrechte wurden plötzlich ernst genommen. Doch dann wurden die Verfahren, welche die ILO zuvor gegen Katar führte, im Jahr 2017 eingefahren, sogar ein Büro der Organisation wurde in Katar eröffnet. Es wäre jedoch nicht im Stile Katars, wenn bei dieser Zusammenarbeit nicht 25 Million Dollar geflossen wären. Todesfälle, verursacht durch unzumutbare Arbeitsbedingungen, wurden mit „natürlicher Tod“ oder „Herzversagen“ als Grund angegeben. Doch die Regierung Katars widersprach. Was auch sonst. Laut Katar sollen es nur drei Tote gewesen sein. Und was sagte die FIFA dazu? Sie widersprach nicht.

Die WM sorgt für Aufregung. Weltweit. Banner werden in den verschiedenen Fußballligen erhoben, auf denen Sätze wie „15.000 Tote für 5760 Minuten Fußball! Schämt euch!“ prangen, um den FIFA-Bossen Paroli zu bieten. Fraglich ist jedoch, ob diese neben all dem eingenommen Geld noch in der Lage sind, die Meinung der Fans zu berücksichtigen. Es ist nun nicht mehr möglich, diese WM zurückzunehmen, doch es ist dennoch wichtig aufzuklären. Damit jeder weiß, was wirklich hinter der Superinszenierung Katars steckt. Damit man in den folgenden Jahren nicht erneut solche Fehler begeht. Damit die Menschen, die für dieses Ereignis sterben mussten, zumindest anerkannt werden, und ihnen ihr Tod nicht durch willkürliche Begründungen aberkannt wird. Es sollte auf keinen Fall toleriert werden, dass Geld über die Würde eines Menschen gestellt wird. Doch leider ist das Geld mittlerweile führender Gedanke im modernen Profifußball.

Als Empfehlung für eine noch intensivere Auseinandersetzung mit diesem doch sehr umfangreichen Thema stehen hier die Reportage der „Sportschau“, welche sich in vier Teilen intensiv mit der Geschichte zu dieser WM auseinandersetzt (zu finden auf YouTube) und der Podcast „Geld Macht Katar“ von ZEIT ONLINE und ARD, der ebenfalls viele weitere wichtige Aspekte thematisiert.

Werdet ihr die WM schauen oder entscheidet ihr euch lieber für einen Boykott?

So haben die SchülerInnen unserer Schule entschieden:

Ja, ich werde die WM schauen: 111 Stimmen (26%)
Ja, aber nur die Spiele der deutschen Nationalmannschaft: 76 Stimmen ( 18%)
Nein, ich werde die WM nicht schauen: 161 Stimmen (38%)
Weiß ich noch nicht 78 Stimmen: (18%)

Stimmen: 426/1192 (36% der Schülerschaft)