Wer war Nadine Gordimer?
Wer war Nadine Gordimer?

Wer war Nadine Gordimer?

Wenn es um die Abschaffung der Apartheit, also die Diskriminierung der Menschen mit dunkler Hautfarbe, in Afrika geht, hört man meistens nur einen Namen: Nelson Mandela. Viele wissen aber fast gar nichts über die anderen Aktivisten, die maßgebend an der Abschaffung der Apartheit beteiligt waren. Eine von ihnen war Nadine Gordimer, deren Geschichte wir nun erzählen wollen.

Nadine Gordimer wurde am 20. November 1923 in Springs, einer Stadt östlich von Johannesburg, als Kind einer Engländerin und eines Mannes aus dem Baltikum geboren. Sie verschlang schon als kleines Kind alles Lesbare. Mit bereits neun Jahren begann sie ihre ersten Gedichte und Geschichten zu schreiben. Ihre erste Kurzgeschichte „Come Again Tomorrow“ wurde veröffentlicht, als sie 15 erst war. Es war schon immer ihr Traum, eines Tages Schriftstellerin zu werden. Auch deshalb brach sie ihr Studium in Literatur und Geisteswissenschaften an der Witwatersrand- Universität in Johannesburg nach nur einem Jahr ab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Als die NP, die Nationale Partei, 1948 die Parlamentswahlen gewannen und die Apartheitsgesetze verschärfte, war Nadine erst 24 Jahre alt. Sie selbst war zwar nicht von den neuen Gesetzen betroffen, weil sie „weiß“ war, doch als im Jahr 1960 bei einer Demonstration gegen die Diskriminierung von „Schwarzen“ 69 Menschen von der Polizei erschossen wurden und eine ihrer Freundinnen im selben Jahr, wie auch Hunderte andere Aktivisten, verhaftet wurde, schloss sich auch Nadine Gordimer der Antiapartheitsbewegung in Südafrika an. Sie wollte unter dem Motto „Die Wahrheit ist nicht immer schön, aber der Hunger nach ihr ist es“ mit ihren literarischen Werken den Menschen außerhalb Südafrikas berichten, was in ihrem Land wirklich geschah.Von nun an beobachtete Nadine die „Rassentrennung“ jeden Tag. Egal ob im Bus, in Cafés oder in Geschäften. „Weiße“ und „schwarze“ Menschen wurden in Südafrika strikt getrennt und unterschiedlich behandelt. Über diese unfaire Behandlung schrieb sie Bücher wie „Burgers Tochter“, in dem es um die „schwarze“ Rosa Burger geht, die unter dem politischen Erbe ihrer Eltern im südafrikanischen Apartheitsregime versucht, ihre Identität zu finden. Eigentlich wurde der Roman direkt nach der Veröffentlichung im Jahr 1979 in Südafrika verboten, dennoch gelang ein Exemplar auf die Gefängnisinsel Robben-Island, auf der seit 1964 der berühmte Aktivist Nelson Mandela einsaß. Er las ihren Roman „Burgers Tochter“ und ließ sie wissen: „Toll gemacht!“ Gordimer half Mandela sogar bei seiner berühmten Verteidigungsrede „I am prepared to Die“. Sie verfeinerte seine Fassung sprachlich und formulierte seine Argumente so, dass sie noch wirkungsvoller und präziser waren. Als im Jahr 1989 Frederik Willem de Klerk Präsident von Südafrika wird, schafft er die Apartheit ab und lässt alle gefangenen Demonstranten der Antiapartheitsbewegung, darunter auch Mandela, frei. Nadine Gordimer gehört dann zu den ersten, die Nelson Mandela trifft. Sie riefen zusammen „Amandla“, was soviel wie „Stärke“ bedeutet und ein afrikanischer Befreiungsruf ist. Im Jahr 1991 folgt ein weiterer Meilenstein im Leben von Nadine Gordimer. Sie wird als bis dahin erste afrikanische Frau für ihr literarisches Lebenswerk mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Doch mit der Abschaffung der Apartheit in Südafrika verlor Nadines Rolle nicht an Wichtigkeit. Sie setzte sich bis zu ihrem Tod, am 13. Juli 2014, für ihr Heimatland und seine Bewohner ein. Ihr letztes Buch „Keine Zeit, wie diese“ beschäftigt sich mit dem Afrika des 21. Jahrhunderts und seinen Problemen, wie Korruption, Arbeitslosigkeit, Gewalt und dem riesigen Spalt zwischen arm und reich. Nadine Gordimer wird bis heute als „Chronistin Afrikas“ bezeichnet.

Titelbild: pixabay.com